Jeder zweite Azubi fühlt sich stark belastet | Ratgeber – Karriere Rhein-Main

Jeder zweite Azubi fühlt sich stark belastet

Der Aushang in einer Stelle der Bundesagentur für Arbeit zeigt viele freie Ausbildungsplätze: Neun von zehn dieser Angebote kommen statistisch gesehen aus dem deutschen Mittelstand. Foto: dpa

DGB-Studie zeigt Probleme in der dualen Ausbildung auf

Zehntausende Azubis leiden laut einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) unter Überstunden, Leistungsdruck und einem Fehlen von jeglicher Anleitung. So gibt jeder Dritte an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen, wie der am 1. September vorgestellte DGB-Ausbildungsreport 2016 zeigt.

Bei Köchen, Malern und Le­bensmittel-Fachverkäufern sind die Bedingungen der Studie zufolge oft besonders schlecht. So gaben 55 Prozent der angehenden Köche an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen. Fast 60 Prozent der Azubis kommen krank zur Arbeit. Bei einem Drittel fehlt laut Be­fragung ein Ausbildungsplan, bei 13,4 Prozent findet überhaupt oder fast keine fachliche Anleitung statt. Mehr als jeder Zweite fühlt sich durch schlechte Arbeitsbedingungen oder hohe Anforderungen stark belastet. Jeder Fünfte fühlt sich hohem Leistungs- und Zeitdruck ausgesetzt.

„Erste Alarmsignale sind immer, wenn jemand dauernd über die Ausbildung spricht und gar kein anderes Thema mehr hat“, sagt Florian Haggenmiller, Bundesjugendsekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Doch was macht man in so einem Fall? „Am besten tauschen sich Auszubildende erst einmal mit anderen Jugendlichen in der Berufsschule aus“, rät Haggenmiller. Dort können sie nachfragen, wie es den anderen in ihrer Ausbildung geht und ob diese ähnliche Probleme haben. Dann kann man sich auch in der Familie oder mit Freunden besprechen.

Hilfe durch Dritte
Sind die Rahmenbedingungen in der Ausbildung schlecht, bleibt aber nur der Schritt, den Ausbilder anzusprechen, rät Haggenmiller. Bringt das nichts, ist es als nächstes sinnvoll, sich an die Jugend- und Auszubildendenvertretung zu wenden, wenn es so etwas in der Firma gibt, oder an den Betriebsrat. Erst als letzten Schritt sollte man nach außen gehen und sich Hilfe von den Ausbildungsberatungen der Kammern oder von den Gewerkschaften holen.

Der DGB forderte zudem schärfere gesetzliche Vorgaben. „Der Gesetzgeber kann nicht mehr zusehen, wie die duale Ausbildung vor die Wand fährt“, sagte Haggenmiller. Vize-DGB-Chefin Elke Hannack forderte die Wirtschaft zu mehr und besseren Plätzen auf – auch für die vielen Flüchtlinge. n

Internet:
DGB-Mitteilung mit Link zur Studie: www.dpaq.de


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